Leseprobe

Eventdesigner Mario Mancini, der neben Dremel saß, weinte vor Ergriffenheit. Er hatte sich mit der Inszenierung von „Marathon der Emotionen“ eine hochglänzende Visitenkarte geschaffen, die er später jedem potenziellen Auftraggeber mit stolz geschwellter Brust vorzeigen würde. Heute betreibt Mancini eine Tankstelle in der Nähe von Bozen.

Für „Die Papi’s“ wurde die Tournee ein grandioser Erfolg: Sämtliche der insgesamt achtundvierzig Konzerte waren restlos ausverkauft. Trotz verheerender Zeitungskritiken kamen die Fans in Scharen. Einige warteten sogar schon am Vorabend mit Thermoskanne, Eierlikör und Schlafsack bewaffnet vor den Hallentoren, um ihren Stars beim Konzert möglichst nah sein zu können. Weil immer mehr Fans aussehen wollten wie ihre Stars, waren in den meisten Städten Eisbärkostüme restlos ausverkauft. Mittlerweile sah man auch nicht mehr nur weibliche Besucher bei den Konzerten von Schober, Trenk und Band: Beim legendären „Männerabend“ in Hamburg am 14. Januar 2003 waren sogar über hundert Herren unter den insgesamt 6.500 Besuchern des Hamburger „Congress Centrums“!

Deutschland wurde von einer „Die Papi’s“-Mania überrollt! Fast täglich berichteten die Medien plötzlich über Jürgen Schober und Manfred Trenk. Doch die Schlagzeilen waren nicht nur positiv: In Dortmund beispielsweise waren am Konzerttag vom Ordnungsamt alle Zufahrtsstraßen rund um die Westfalenhalle abgesperrt worden. Darum schafften es „Die Papi’s“ nur mit Widerstand gegen die Staatsgewalt auf die Bühne der ehrwürdigen Konzerthalle („Angst vor Tollwut - Papi biss Polizisten“, formulierte die BILD-Zeitung damals spitz). Und Manfred Trenks angebliche Affären warfen ebenfalls nicht nur gutes Licht auf das beliebte Musik-Duo: „Sabine, Saskia, Trixxi und Marlene – trugen sie wirklich nur die Koffer in Manfreds Suite?“, argwöhnte der „Mannheimer Morgen“.

Doch immerhin waren „Die Papi’s“ endlich da, wo sie nach Meinung ihrer zahlreichen Fans längst hin gehörten: in aller Munde. Und das wirkte sich auch umsatzsteigernd auf das so genannte „Merchandising“, also den Handel mit Devotionalien, aus: Allein mit T-Shirts, Wimpeln, Anstecknadeln, Schlüsselanhängern, Feuerzeughüllen, Ballettschuhen, Bettzeug, Bügelbrett-Bezügen und ähnlichen Fan-Artikeln machten „Die Papi’s“ Umsätze im siebenstelligen Bereich. „Dabei ist jeder einzelne Artikel äußerst knapp kalkuliert“, schwört Manfred Trenk. Bei Preisen von bis zu 1.998 Euro für die „’Die Papi’s’-Damen-Kurz-Jacke im Fuchsfell-Look“ mag das zynisch klingen – Tatsache ist, dass Jürgen Schober und Manfred Trenk diejenigen waren, die am Ende am wenigsten an den Fanartikeln verdienten. Und das, obwohl der Handel mit den käuflichen Erinnerungsstücken nur so brummte. 

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