Kapitel 18

Leseprobe
Dass der Riesenerfolg von „Ein Stück weit geil“ mit einer deutschlandweiten Live-Tournee gekrönt werden sollte, war allen Beteiligten schnell klar. Und diesmal machten „Die Papi’s“ alles richtig: Sie stellten aus den Studiomusikern der „Ein Stück weit geil“-Sessions eine schlagkräftige Live-Band zusammen, „Die Papi’s“-Manager Klaus Dremel buchte nur die besten und größten Hallen der Republik, die Öffentlichkeitsarbeit lief wie am Schnürchen, und auf den Plakaten, die überall in Deutschland den Fans entgegenlachten, klebte bald der Zusatz „Ausverkauft!!!“.

Als besonderen Clou hatte der findige Dremel den auf Groß-Events spezialisierten Südtiroler Mario Mancini engagiert. Mancini war jahrelang der persönliche Assistent von Österreichs Vorzeige-Impressario André Heller („Arnica Arnica“, „Begnadigte Körper“, „Tanz der Kontinente“) gewesen, und er verstand es wie kein zweiter, um seine Künstler herum einen Garten der Phantasie anzulegen, der auch das härteste Herz würde erweichen können.

Mancini zog alle Register seines Könnens, und nach Wochen harter Arbeit und der Investition erheblicher Eurosummen seitens der Auftraggeber konnte der hochtalentierte Südtiroler ein Meisterwerk präsentieren, das selbst seinem Ziehvater André Heller persönlich ein Lob entlockte (wörtlich soll Heller gesagt haben: „Oh Gott“).

Als am 22. September 2002, punkt 20 Uhr in der Frankfurter Festhalle das Saallicht ausging und die ganz in rosa gehaltene Bühne langsam mit Trockeneisnebel geflutet wurde; als dann Wenzel Block seine Drumsticks viermal in Folge rhythmisch aneinander schlug, um einen Soundteppich von bestechender Tonqualität auszulösen; als gleißend weißes Scheinwerferlicht die Bühne in eine gespenstische Polarstimmung tauchte; als die restlichen Musiker in ihren Eisbärkostümen auf kleinen hydraulischen Hebebühnen aus dem Boden emporschwebten; als dann ein fliederfarben gewandeter Jürgen Schober mit seiner „goldenen“ Stratocaster und ein pastellgelb gekleideter Manfred Trenk mit seinem Roland-Umhängekeyboard auf zwei geflügelten Einhörnern von der Hallendecke auf die Bühne hinab gelassen wurden; als eine animierte Lichtbildprojektion den gesamten Hintergrund mit einer Jugendfotografie von Rosemarie Schober ausfüllte; als die ersten Takte von „Auf dir reiten“ im Kreischen von tausenden Fans vollständig untergingen – da saß Klaus Dremel in der Mitte der Halle neben dem Tontechniker am Mischpult. Er soll – vermutlich vor Rührung – die Nase hochgezogen, den Tonmann angestoßen und ihm gegen den infernalischen Lärm in der Arena ins Ohr geschrien haben: „Leck mich am Arsch! Das glaubt uns keiner!“

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